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Diskriminierung begegnen - Vielfalt gestalten

Online-Tagung
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Meldung vom: 05. Oktober 2020, 09:14 Uhr

Die als studentische Initiative organisierte Tagung richtet sich an Studierende und Dozierende in Bildungsstudiengängen sowie Interessierte. Sie findet vom 27.- 29.11.2020 statt.

Diskriminierung ist etwas, das jede und jeden betrifft, denn dort wo sie nicht ausschließt, schließt sie für gewöhnlich in spezifische Gesellschaftsgruppen ein. Angehende Lehrkräfte unterrichten nicht "nur" ihr Fach, sondern sprechen sowohl in der Schule als auch in der Erwachsenenbildung, beispielsweise im Rahmen von Integrationskursen, mit den Teilnehmenden auch über gesellschaftliche, politische und historische Aspekte. Daher suchen wir nach Antworten auf die Frage, wie man - sowohl privat als auch in professionellen, d. h. in diesem Fall Lehr-Lern-Kontexten - miteinander über strittige Themen sprechen kann, dabei wert(e)schätzend und kultursensibel bleibt und gleichzeitig seine Position vertritt.

In Workshops, Vorträgen und Diskussionsrunden mit Referierenden aus Wissenschaft und Praxis werden Möglichkeiten zur Beantwortung dieser Frage aufgezeigt und gemeinsam mit den Teilnehmenden Strategien entwickelt, wie mit Diskriminierung und Vielfalt umgegangen werden kann, um ein friedliches Zusammenleben in einer diversen Gesellschaft zu ermöglichen. Die Anmeldung ist kostenlos.

Ein herzlicher Dank geht zudem an die Akademie für Lehrentwicklung der Friedrich-Schiller-Universität Jena, dem Studierendenrat sowie dem Fachschaftsrat für DaF/DaZ & IWK, die die Tagung durch ihre Unterstützung möglich machen.

Tagungsprogramm Inhalt einblenden

Das Tagungsprogramm können Sie hier herunterladen: Tagungsprogramm [pdf, 473 kb]

Abstracts der Veranstaltungen Inhalt einblenden

Vortrag „Wo fängt Toleranz an, wo hört sie auf?“ von Univ.-Prof. Dr. İnci Dirim

„Toleranz“ ist eine Haltung, die immer wieder eingefordert wird, wenn es um das Zusammenleben von Menschen in einer Migrationsgesellschaft geht. Wie aber lässt sich „Toleranz“ definieren?  Und wie können die Grenzen der Toleranz abgesteckt werden? An dieser Frage setzt der Vortrag an. Es wird davon ausgegangen, dass die Grenzen der Toleranz nicht ein für alle Mal festgelegt werden können. Es braucht Perspektiven, durch deren „Linse“ diskutiert und auch entschieden werden kann, was tolerabel ist und was nicht. Die Vortragende schlägt „Rassismuskritik“ als eine migrationsgesellschaftlich relevante theoretische Perspektive vor, stellt sie vor und diskutiert, wie sie in die Ausübung von Toleranz einbezogen werden könnte.

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Workshop „Ohnmacht begegnen, Haltung zeigen - vom Umgang mit Diskriminierung“ mit Angelika Roschka, M.Sc.

Wir alle kennen das: im Arbeitsalltag äußert jemand einen pauschalen Vorwurf über Dich oder zeigt eine abwertende Geste gegenüber einer dritten Person. Im Gefühl der Empörung steckend, versucht man spontan zu reagieren und verharrt ohnmächtig in Sprachlosigkeit. Erst im Nachhinein fällt uns vielleicht die ein oder andere Reaktionsmöglichkeit ein - doch nun ist es zu spät. Doch es gibt aber auch die Situationen, in denen es uns schon einmal gelungen ist in einer Diskriminierungssituation zu reagieren und sich zu positionieren.

Dieser Workshop bietet dem Austausch über das Spektrum unterschiedlicher Erfahrungen der Teilnehmenden um das Thema Diskriminierung auf diversen Ebenen einen geschützten Raum. Als Basis wird der Diskriminierungsbegriff im Detail beleuchtet. Welche Aspekte sind im Entscheidungsprozess zum Reagieren relevant? Was befördert, was hemmt die Reaktionsfähigkeit? Durch den Austausch über Erlebtes und einen Input wird im Verlauf des Workshops das bereits vorhandene Handlungsrepertoire der Teilnehmenden schrittweise durch eine Vielfalt an Reaktionsmöglichkeiten ergänzt. Die Inhalte des Workshops bieten den Teilnehmenden einen "Werkzeugkoffer" an diversen Handlungsoptionen für den (Arbeits)Alltag. So kann es leichter und schrittweise gelingen eine innere Haltung zu entwickeln und zu verfestigen, diese im Außen zu vertreten und zivilcouragiert zu handeln.

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Workshop „Diskriminierung - Was hat das mit mir zu tun?“ mit Marieke Dohrmann, M.A.

Diskriminierung ist ein großes Wort, hinter dem sich eine Vielzahl ausgrenzender Mechanismen verbergen. Dies kann auf einem gesamtgesellschaftlichen Level stattfinden, aber auch im persönlichen Miteinander, bewusst oder unbewusst. Der Workshop dient dazu, einen Einstieg ins Thema zu schaffen, Begrifflichkeiten zu definieren und eine Sprache zu finden, um über (strukturelle) Diskriminierung sprechen zu lernen. Dabei soll sich mit den verschiedenen Formen von Diskriminierung auseinandergesetzt werden sowie mit den Ebenen, auf denen diese stattfinden. Wie der Titel schon vermuten lässt wird im zweiten Schritt auch die Selbstreflexion eine große Rolle spielen und die Frage danach, an welchen Stellen im Alltag diskriminierendes Denken, Handeln oder Sprechen reproduziert wird. Da Strukturen, die Menschen ausschließen, auch immer andere einschließen, ist die Bewusstmachung der eigenen Privilegierungen (und auch Deprivilegierungen) dabei ein wichtiger Bestandteil dessen, eigene Muster zu hinterfragen und ein grundlegender Schritt auf dem Weg zu mehr Diskriminierungssensibilität.

Eingeladen sind alle Menschen, die sich theoretisches Basiswissen über Diskriminierung aneignen wollen, sich mit der eigenen Positionierung auseinandersetzen und einen Prozess der Selbstreflexion anstoßen sowie sich über Möglichkeiten des Weiterlernens und -lesens austauschen möchten.

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Workshop „Konflikte als Chance und Herausforderung - zum Umgang mit Kontroversität, Irritationen und schwierigen Situationen im Unterricht“ mit Robert Feil

Integrationsangebote und -kurse sollen Orientierung vermitteln. Für Orientierung sorgt aber weder der erhobene Zeigefinger noch ein unter dem Kopfkissen platziertes Grundgesetz. Sie entwickelt sich proaktiv: aus einem Abgleich eigener Interessen, Bedürfnisse, Überzeugungen und kultureller Prägungen mit Erwartungen, Anforderungssituationen und Werten in der Aufnahmegesellschaft. Dieses Verständnis folgt den Leitprinzipien und dem Leitbild politischer Bildung – völlig unabhängig von der jeweiligen Zielgruppe. Kontroversität, Perspektivenvielfalt und konflikthafte Entscheidungssituationen bilden damit das didaktische und pädagogische Setting für Wertebildung und die Reflexion bestehender Einstellungsmuster. Gleichzeitig sind diese Prinzipien mit einer Vielzahl von Anforderungen, Herausforderungen und Fragestellungen für Lehrkräfte im Unterricht verbunden: Sie betreffen alle Aspekte der Unterrichtsplanung, der Interaktion und Kommunikation und das eigene Verständnis von der Rolle als Lehrkraft. In unseren Workshop werden wir uns deshalb auf Basis von Praxisbeispielen mit zwei Fragestellungen beschäftigen: Welches Potential bieten Spannungsfelder, Konflikte und Kontroversen für einen (sprach-) aktivierenden Unterricht im Sinne des skizzierten Integrationsverständnisses? Welche didaktischen und pädagogischen Interventionen sind im Umgang mit Provokationen, diskriminierenden Äußerungen angemessen und zielführend? Und natürlich sind Sie dabei eingeladen, eigene Erfahrungen und Fragen einzubringen – je konkreter, desto besser.

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Workshop „Methodenkoffer - Einsatz interkulturelle Übungen im DaF-/DaZ-Unterricht“ mit Julia Brade, M.A.

Der Workshop gibt Einblick in die Vielfalt an interkulturellen Übungen und deren Einsatz im DaF-/DaZ-Unterricht. Im Vordergrund stehen erfahrungsbasierte Formate, die dafür geeignet sind, die eigenen Bewertungsmuster bzw. die eigene sozio-kulturelle Prägung zu reflektieren. Im Workshop werden wir einige dieser Übungen ausprobieren und sie in Bezug auf ihre Wirkung sowie den kulturtheoretischen Hintergrund auswerten. Die vorgestellten Übungen können sowohl im virtuellen als auch im Präsenz-Unterricht eingesetzt werden.

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Workshop „Vielfalt leben: Ein intersektionaler Ansatz im DaF-/DaZ-Unterricht“ mit     Manjiri Palicha, M.A. und Almut Büchsel

Welchen Grenzen begegnen Menschen, die die deutsche Sprache im Deutschunterricht lernen? Was bildet unser Deutschunterricht ab – und was nicht? Welche Bilder und Normen über die deutsche Gesellschaft vermitteln wir, unbewusst oder bewusst, durch das Deutschlernen – und warum ist das relevant?

Bisher stoßen Deutschlehrwerke und damit unser Unterricht auch dort an Grenzen, wo es um gesellschaftliche Vielfalt und Diskriminierung geht: Vergeblich suchen wir nach dem schwulen Protagonisten, selten gibt es die alleinerziehende Mutter, selten deren Schwierigkeiten auf dem Wohnungs- oder Arbeitsmarkt, wenn sie nicht Müller, sondern Ibáñez, Almalet oder Wickramasinghe heißt – Schwierigkeiten, die auch für viele unserer Teilnehmenden Alltag sind.

Mit dem Arbeitsheft "Vielfalt leben" haben die Berliner Volkshochschulen zusammen mit dem Hueber Verlag das erste professionell entwickelte Material herausgebracht, das diese Fragen für die Niveaustufen A1 - A2 aufbereitet.

In diesem Workshop beschäftigen wir uns mit dem Heft und erarbeiten zusammen, wie man die Themen von „Vielfalt Leben“ im Unterricht konstruktiv bearbeiten kann. Die Weiterbildung zum Heft richtet sich an alle Dozierenden/Studierenden im DaZ-Bereich ist praxisnah ausgestaltet und orientiert sich an den Fragen und Bedürfnissen der Teilnehmenden.

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Vortrag „Ideengeschichte der Menschenrechte und Grundfreiheiten“ von Prof. Dr.         Michael Dreyer

 „Die Würde des Menschen ist unantastbar“

Menschenrechte sind ein zentrales Element moderner Verfassungen – und seit der „Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte“ durch die UNO 1948 nicht nur national, sondern auch international. Dies war nicht immer so. In einem rechtlich verbindlichen Dokument tauchen allgemeine Menschenrechte erstmals 1776 in der Verfassung der Kolonie Virginia auf – aber man kann bei der Betrachtung von Vorläufern auch bis zur englischen „Bill of Rights“ von 1215 zurückgehen. Der Vortrag versucht, die Entwicklungsgeschichte der Menschenrechte bis in die Gegenwart zu verfolgen, über mehrere „Generationen“ von Rechten hinweg, aber auch in Betrachtung der Angriffe auf die Menschenrechte.

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Workshop „Social Justice & Diversity Training: Schwerpunkt Diskriminierung aufgrund von Weltanschauung“ mit Leah Carola Czollek

Leah Carola Czollek führt zunächst in die Grundlagen des Diskriminierungskritischen Bildungskonzeptes Social Justice und Diversity ein. Im Zentrum steht hier die Strukturelle Diskriminierung als Ineinandergreifen von individuellen, institutionellen und kulturellen Diskriminierungspraxen. Diskriminierungsformen sind gesellschaftlich tief verankert (=Diskriminierungsmatrix), gegenwärtig präsent und wirkmächtig. Sie stehen je für sich und sind gleichzeitig miteinander verbunden (=Systemische Intersektionalität). Gegen jede Form von Diskriminierung stehen im Bildungskonzept Handlungsstrategien im Zentrum (wie u.a. Verbündet-Sein, Auswege aus dem polarisierenden Denken, Bündnisse). Nach einem Input geht es im Workshop um die themen- und handlungsbezogene Reflexion zur Diskriminierung aufgrund von Weltanschauung. Hier greifen wir nicht zuletzt die Frage „Wo fängt Toleranz an, wo hört sie auf?“ auf.

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Workshop „Interkulturelle Lehrkompetenz“ mit Corinna Schmechel, M.A.

Kulturelle Vielfalt in Lehr-Lern-Situationen ist in vielfacher Hinsicht bereichernd, kann aber auch zu Irritationen und Missverständnissen führen: Gibt es kulturell spezifische Lehr-Lern-Konzepte? Wie gehe ich mit Sprachbarrieren um? Wo ist die Grenze zwischen Kultur-Sensibilität und Vorurteil? Um diese und ähnliche Fragen soll es in dem Kurzworkshop gehen. Gern können eigene Erfahrungen und Fragen eingebracht werden.

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Podiumsdiskussion „Diskussion der aktuellen Situation zum Umgang mit Diskriminierung und Gestaltung von Vielfalt“ mit Gästen aus Theorie und Praxis

In dieser Diskussion wird diskutiert, inwiefern Toleranz nötig und möglich ist, wenn das Ziel angestrebt wird, friedlich in einer diversen Gesellschaft zu leben und zu lernen/lehren. Es werden aktuelle Ansätze des Umgangs mit Diskriminierung sowie zur Gestaltung von Vielfalt aus unterschiedlichen Blickpunkten diskutiert. An der Diskussion nehmen u. a. Prof. Dr. Jürgen Bolten (Friedrich-Schiller-Universität Jena), Dr. Noa K. Ha (Leitungsstab des Deutschen Zentrums für Integrations- und Migrationsforschung Berlin) sowie Mirjam Kruppa (Thüringer Beauftragte für Integration, Migration und Flüchtlinge) teil.

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Kontakt Inhalt einblenden

Bei Fragen oder Anmerkungen können Sie sich gerne per E-Mail an

vielfalt_gestalten.tagung@uni-jena.de

wenden.

Projektkoordination:

Alexandra Treder

alexandra.treder@uni-jena.de

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